Fakultät für Maschinenbau und Sicherheitstechnik

Forschungsgruppe

Räumliche Kontexte von Risiko und Sicherheit

Leitung: Dr. Tim Lukas

Sicherheit und Unsicherheit entstehen nicht im luftleeren Raum. Sicherheitsrisiken sind räumlich nicht gleich verteilt. Kontextuelle Einflüsse des gesellschaftlichen Raums prägen die Sicherheitspraktiken in unterschiedlichen räumlich-physischen Umgebungen. Auch die Bewertung von Risiken und von Bedrohungen der Sicherheit steht in einem engen Zusammenhang mit den räumlichen Kontexten, in denen sie wahrgenommen werden. Die Forschungsgruppe Räumliche Kontexte von Risiko und Sicherheit befasst sich vor diesem Hintergrund mit raumbezogenen Fragen der Gewährleistung von Sicherheit und der Wahrnehmung von Sicherheitsrisiken. Zur Anwendung kommt dabei ein erweiterter Sicherheitsbegriff, der kriminalitätsbezogene Fragestellungen der Präventionsforschung ebenso umfasst wie krisen- und katastrophenbezogene Aspekte der Resilienz- und Risikoforschung. Im Mittelpunkt steht dabei der Mensch in seinen gesellschaftlichen Bezügen, der durch seine Nutzungen und Wahrnehmungen den Raum in sozialen Prozessen konstruiert.

Methodisch werden qualitative und quantitative Forschungszugänge der empirischen Sozialforschung mit Ansätzen der experimentellen Feld- und Laborforschung trianguliert. Studien zum raumbezogenen Sicherheitshandeln von Menschen und Organisationen stellen neben Untersuchungen zu den Wirkungszusammenhängen von Raum- und (Un-)Sicherheitswahrnehmungen die wissenschaftlichen Schwerpunkte der Forschungsgruppe dar. Das Hauptaugenmerk gilt dabei den nicht-intendierten Nebenfolgen von institutionalisierten Sicherheitsstrategien auf die objektivierte Sicherheitslage und subjektive Risikowahrnehmung sowie den sozialräumlichen Bedingungen der Resilienzentwicklung in urbanen und ruralen Kontexten (community resilience). Verortet an der Schnittstelle von kriminologisch-stadtsoziologischer Grundlagenforschung und Praxisorientierung im Bevölkerungsschutz besteht das Ziel der Forschungsgruppe in der Erarbeitung von anwendungsbezogenem Grundlagenwissen und dessen handlungsleitender Übertragung in praxisrelevante Kontexte der zivilen Sicherheitsproduktion.

FORSCHUNGSTHEMEN

Urbane Sicherheit

Als Forschungsfeld umfasst die Urbane Sicherheit ein breites Spektrum potentieller Gefährdungen und Schutzmaßnahmen, die vom Erhalt der öffentlichen Ordnung über die Prävention von Kriminalitätsrisiken bis hin zum Schutz vor terroristischen Angriffen reichen. Aus einer raumbezogenen Perspektive widmen wir uns in verschiedenen Forschungsprojekten und praxisorientierten Zusammenhängen den Strategien und Wirkungen der städtebaulichen Kriminalprävention und Terrorismusabwehr in urbanen Räumen und der Wahrnehmung von sicherheitsrelevanten Risiken durch unterschiedliche soziale Gruppen. Ein Schwerpunkt liegt dabei auf der systematischen Beurteilung von Gerechtigkeitsansprüchen in der Verteilung von Sicherheit und der (partizipativen) Entwicklung von Handlungsempfehlungen für die Sicherheitsgewährleistung in spezifischen räumlichen Umgebungen.

Forschungsprojekte

Sozialräumliche Bedingungen des Bevölkerungsverhaltens in Krisen und Katastrophen

Die Erfahrungen zahlreicher Krisenereignisse zeigen, dass sich die Unterstützungsbereitschaft der Bevölkerung vorrangig im sozialen Nahraum der Nachbarschaft und im digitalen Raum von Nachbarschaftsplattformen und Chatgruppen formiert. Studien zu den Voraussetzungen wechselseitiger Unterstützungserwartungen und -leistungen legen nah, dass deren konkrete Ausprägungen wesentlich davon abhängen, wie der gesellschaftliche Zusammenhalt im Wohnumfeld der Bürgerinnen und Bürger wahrgenommen und eingeschätzt wird. Vor diesem Hintergrund untersuchen wir in unseren Forschungsprojekten die sozialräumlichen Bedingungen der Anpassungsfähigkeit sozialer Gemeinschaften als einer wesentlichen resilienzbezogenen Ressource der Bewältigung von Krisen und Katastrophen.

Forschungsprojekte

PUBLIKATIONEN (Auswahl)

  • Lukas, T. & Coomann, B. (2021). Die Verlagerung von Disorder - Eine Fallstudie zur städtebaulichen Kriminalprävention im Bahnhofsviertel. In: Kriminologie – Das Online-Journal (KrimOJ) 3(1), S. 54-71.
  • Lukas, T. & Üblacker, J. (2021). Gentrification and Crime. Theoretical Explanations and Methodological Problems. In: SIAK International Edition, S. 64-74.
  • Lukas, T., Tackenberg, B., & Kretschmer, S. (2021). Resilienz im Stadtquartier. Welchen Beitrag leistet der wahrgenommene soziale Zusammenhalt zur nachbarschaftlichen Unterstützungsbereitschaft in Krisen? In: H.-J. Lange, C. Kromberg & A. Rau (Hrsg.), Urbane Sicherheit. Migration und der Wandel kommunaler Sicherheitspolitik. Wiesbaden: Springer VS, S. 35-57.

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